Management by Bauchgefühl? Ist das gefährlich für UnternehmerInnen?

„Das entscheide ich nach Bauchgefühl“ sagen viele InhaberInnen kleinerer Unternehmen. Wir verwenden solche Formulierungen, wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, aber keine rationale Grundlage dafür haben.

Ein altes italienisches Sprichwort sagt: „Intuition ist Intelligenz mit überhöhter Geschwindigkeit“. Mit überhöhter Geschwindigkeit entscheiden, ohne vorher das Risiko abzuschätzen, kann jedoch zum Absturz führen.

Meine Empfehlung aus meiner langjährigen Tätigkeit als Finanzvorstand mittelständischer Unternehmen: Suchen Sie vor der Entscheidung nach Argumenten! Helfen Sie Ihrem Bauchgefühl auf die Sprünge, indem Sie bei einer anstehenden unternehmerischen Entscheidung nach unterstützenden Argumenten FÜR – aber auch GEGEN Ihr Vorhaben suchen. Dazu helfen ein paar gesammelte objektive Informationen, also Zahlen, Daten, Fakten.

Welche Konsequenzen hat meine Entscheidung? Fragen Sie sich, ob eine Entscheidung weitreichende, negative Konsequenzen hat. Ist das nicht der Fall – dann gehen Sie den Weg. Ein bisschen Zeit lassen vor der Umsetzung! Und zwar sich selbst – um Ihre Entscheidung auf sich wirken zu lassen. Wie sagt man so schön: eine Nacht darüber schlafen.

Viele Unternehmer, wie ich selbst auch, haben im vergangenen Jahr aufgrund der unerwartet raschen Veränderung Ihrer wirtschaftlichen Situation als Folge der Corona Pandemie, schnell wichtige, meist existenzielle, Entscheidungen treffen müssen. Oft wurden diese aber von den Unternehmenslenkern hinausgeschoben, und zwar meistens aufgrund der Angst eine falsche Entscheidung zu treffen.

Nachvollziehbar! Denn vor einer Entscheidung steht immer auch die Angst, durch eine falsche Wahl die bessere Alternative zu verlieren.

ABER: Während meiner langjährigen Geschäftsführertätigkeit habe ich eines gelernt: KEINE Entscheidung ist fast immer die falsche Entscheidung! Umso wichtiger ist es eine Entscheidung zu treffen, aber die damit verbundenen Risiken zu kennen und sich bewusst zu machen. Ein neues Geschäftsmodell, ein neues Produkt, eine neue Dienstleistung, etc. ist stets eine Wette auf eine ungewisse Zukunft – eine Zukunft, die noch lange nicht Gegenwart ist.

Entsprechend wichtig ist es daher, dass wir in Zielen und Ergebnissen denken, uns erlauben, gemachte oder geplante Entscheidungen zu hinterfragen und den Mut haben, den Kurs neu zu justieren, wenn sich herausstellt, dass dies nötig ist. Die zentrale Frage, die sich den Unternehmern in Zeiten wie der Corona Pandemie oft stellt: Kopf- oder Bauchentscheidungen? Bedeutet: entscheiden rein aufgrund der gesammelten Informationen (also Kopfentscheidung) oder aus dem Bauch bzw. aus der Intuition heraus? Sowohl Bauch- als auch Kopfentscheidungen bergen das Risiko der Fehlentscheidung. Es ist daher eine Schein-Alternative, Entscheidungen entweder nur mit dem Kopf oder nur mit dem Bauch zu treffen. Auch weil Kopf und Bauch eng miteinander verknüpft sind.

Der sicherste Weg zur besten Entscheidung, ist aus meiner Sicht, ganz bewusst Zahlen- und Datenmaterial als Entscheidungsgrundlage zusammenzustellen und zu bewerten – aber auch den Bauch, die Intuition zu befragen, um zu einer stimmigen Antwort zu kommen. Ich empfehle jedoch, mehr auf den Kopf und die Daten- und Faktenlage zu hören, wenn Sie sich in einem neuen Terrain in Bezug auf Produkte, Dienstleistungen, Märkte etc., ohne eigene Erfahrung bewegen.

Um das Risiko, das die Entscheidung birgt, möglichst gering zu halten und evtl. auch die finanzierende Bank zu überzeugen, sollte zu guter Letzt geprüft werden, auf welchen Annahmen und Voraussetzungen, der erwartete Erfolg basiert und ob dies realistisch erscheint. Welche Investitionen Zeit und Geld erfordert die Realisierung? Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden? So schaffen Unternehmenslenker eine objektive Entscheidungsbasis, selbst wenn diese weiterhin auch auf Annahmen beruht und niemand in die Glaskugel schauen kann.

Fazit: Ohne Bauchgefühl und Intuition geht es nicht! Aber allein mit Bauchgefühl und Intuition kann das Risiko für den Unternehmer existenzbedrohend sein!

Cornelia Mast, geschäftsführende Gesellschafterin, Mascon Experts GmbH

Für weitere Fragen zum Thema Risikominimierung in kleinen und mittleren Unternehmen:

Mail: cmast@mascon-experts.deWeb: www.mascon-experts.de